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Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1746) heraus

Stand: Vorbereitender Durchgang der Spezifikation zwischen August und September 2003 durchgeführt.

1746 (22) Monographie. 181 S.
Originaltitel: Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte und Beurtheilung der Beweise derer sich Herr von Leibnitz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedienet haben, nebst einigen vorhergehenden Betrachtungen welche die Kraft der Körper überhaupt betreffen, durch Immanuel Kant. Königsberg, gedruckt bey Martin Eberhard Dorn. 1746.
[Titel, Widmung, Vorr., S. 240, 2 Tafeln]
Katalog-Nr. Adickes: 0017 / Warda: 001
Akademie-Ausgabe Bd. I: 001-181 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Bücher und Broschüren
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Physikalische Abhandlung über die Kraft der Körper. Mit metaphysischem Teil.

Das Buch handelt vom Verhältnis zwischen der Kraft und der Geschwindigkeit eines beliebigen Körpers. Descartes hatte die These aufgestellt, die Kraft verhalte sich nach der Geschwindigkeit. Leibniz hatte dies abgewiesen und die alternative These aufgestellt, die Kraft habe zum Maß das Quadrat der Geschwindigkeit. Kant meint, beide Parteien vereinen zu können, indem er zeigt, dass Descartes von einer mathematischen Analyse ausgeht, während Leibniz aus der Natur heraus überlegt. Das Buch fängt an mit einer metaphysischen Überlegung, die Grundbegriffe wie Kraft, Körper, Welt und Raum klären soll. Den Hauptteil des Buchs bildet eine gründliche Auseinandersetzung mit den Argumenten beider Parteien.

Kant legte dieses Buch in seinem vierten Studienjahr vor. Das angesprochene Problem war aber bereits 1743 physikalisch-mathematisch gelöst worden, als Jean-Baptiste d'Alembert die Formel der kinetischen Energie als 0,5 mv2 aufstellte. Siehe dazu den 5. Absatz der Einleitung von Konstantin Pollok zu Kants Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft (=Philosophische Bibliothek, Bd. 508), Felix Meiner Verlag, Hamburg, 1997, S. XI.

Gliederung (Übersicht) Gliederung (Paragraphen) Vorrede Metaphysische Vorbereitung

Gliederung (Übersicht)

Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte und Beurtheilung der Beweise derer sich Herr von Leibnitz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedienet haben206 S.
Zueignung2 S.
Vorrede11 S.
Erstes Hauptstück, von der Kraft der Körper überhaupt. §§1-1917 S.
Zweites Hauptstück, Untersuchung der Lehr-Sätze der Leibnizischen Partei von den lebendigen Kräften. §§20-113126 S.
Zusätze und Erläuterungen, die einige Stücke dieses Kapitels betreffen15 S.
Drittes Hauptstück, Welches eine neue Schätzung der lebendigen Kräfte, als das wahre Kräftenmaß der Natur darleget. §§114-16350 S.
Quelle: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I, S. 7-219

Gliederung (Paragraphen)

Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte und Beurtheilung der Beweise derer sich Herr von Leibnitz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedienet haben206 S.
Zueignung2 S.
Vorrede11 S.
Erstes Hauptstück, von der Kraft der Körper überhaupt. §§1-1917 S.
§ 1 — Jedweder Körper hat eine wesentliche Kraft1 S.
§ 2 — Diese Kraft der Körper nannte Leibniz überhaupt die würkende Kraft‹1 S.
§ 3 — Man sollte billig die wesentliche Kraft vim motricem nennen1 S.
§ 4 — Wie die Bewegung aus der würkenden Kraft überhaupt kann erkläret werden1 S.
§ 5 — Was vor Schwierigkeiten daraus, in die Lehre von der Würkung des Körpers in die Selle, fließen, wenn man diesen keine andere Kraft als die vim motricem beileget1 S.
§ 6 — Die Schwierigkeit, die hieraus entspringt, wenn von der Würkung der Seele in den Körper die Rede ist. Und wie diese durch die Benennung einer vis activae überhaupt könne gehoben werden1 S.
§ 7 — Es können Dinge würklich existieren, dennoch aber nirgends in der Welt vorhanden sein1 S.
§ 8 — Es ist recht metaphysischen Verstande wahr, daß mehr wie eine Welt existieren könne1 S.
§ 9 — Wenn die Substanzen keine Kraft hätten, außer sich zu würken, so würde keine Ausdehnung, auch kein Raum sein. Der Grund von der dreifachen Dimension des Raumes ist noch unbekannt1 S.
§ 10 — Es ist wahscheinlich, daß die dreifache Abmessung des Raumes von dem Gesetze herrühre, nach welchem die Kräfte derer Substanzen in einander würken. Die dreifache Abmessung scheinet daher zu rühren, weil die Substanzen in der existierenden Welt so in einander würken, daß die Stärke der Wirkung sich wie das Quadrat de Weiten umgekehrt verhält1 S.
§ 11 — Die Bedingung, unter der es wahrscheinlich ist, daß es viel Welten gebe1 S.
§ 12 — Einige Metaphysiklehrer behaupten, daß der Körper, vermöge seiner Kraft, sich nach allen Gegenden zur Bewegung bestrebe1 S.
§ 13 — Erster Einwurf gegen diese Meinung‹1 S.
§ 14 — Zweiter Einwurf gegen dieselbe Meinung1 S.
§ 15 — Doppelte Einteilung der Bewegung1 S.
§ 16 — Die Bewegung von der ersten Art ist vom toten Drucke nicht unterschieden1 S.
§ 17 — Die Bewegung von der zweiten Art setzet eine Kraft voraus, die sich wie das Quadrat der Geschwindigkeit verhält1 S.
§ 18 — Zweiter Grund hievon1 S.
§ 191 S.
Zweites Hauptstück, Untersuchung der Lehr-Sätze der Leibnizischen Partei von den lebendigen Kräften. §§20-113126 S.
§ 20‹1 S.
§ 21‹1 S.
§ 22 — Leibnizens und Cartesens Schätzung der Kräfte1 S.
§ 23 — Erster Fehler des Leibnizischen Kräften-Maßes1 S.
§ 24 — Was eine würkliche Bewegung sei1 S.
§ 25 — Zweiter Hauptfehler des Leibnizischen Kräften-Maßes2 S.
§ 26 — Beweis eben desselben aus dem Gesetze der Kontinuität1 S.
§ 27 — Die in der Bewegung verflossene Zeit, mithin auch die Würklichkeit der Bewegung ist nicht die wahre Bedingung, unter der dem Körper eine lebendige Kraft zukomt2 S.
§ 28 — Die Mathematik kann die lebendigen Kräfte nicht erweisen. Die Mathematik bestätiget schon ihrer Natur nach Cartesens Gesetze3 S.
§ 291 S.
§ 30 — Der Satz, der den Herrn von Leibniz zuerst auf die lebendigen Kräfte gebracht hat‹1 S.
§ 31 — Des Herrn Hermanns Beweis, daß die Kräfte wie die Höhen sind, die sie durch dieselben erreichen können1 S.
§ 32 — Beweis, der den Fall des Herrn Hermanns widerleget1 S.
§ 33 — Der Kartesianer Fehler in Behauptung eben derselben Sache2 S.
§ 34 — Ein Zweifel des Herrn Lichtscheids wird gehoben1 S.
§ 351 S.
§ 36 — Neuer Fall, der dartut, daß in der Schätzung der Kraft, die durch die Schwere entstehet, die Zeit notwendig mit müsse in Erwägung gezogen werden1 S.
§ 37‹1 S.
§ 381 S.
§ 39 — Die Summe aller Beweise, die aus der Bewegung elastischer Körper hergenommen sind‹1 S.
§ 40 — Die Leibnizianer widerlegen ihre Schlüsse durch ihre eigene mechanische Lehrgebäude1 S.
§ 41 — Der Fall des Herrn Hermanns von dem Stoße dreier elastischer Körper3 S.
§ 42 — Der Grund des Irrtums in der Schlußrede des Herrn Hermanns. In dem Augenblicke, darinnen auch unelastische Körper sich stoßen, ist mehr Kraft in der Ausübung, als vor dem Stoße war1 S.
§ 431 S.
§ 44 — Der Frau von Chastelet ist diese Auflösung unbekannt gewesen1 S.
§ 45 — Herrn Jurins Einwurf von dem Gegenstoße zweener unelastischer und ungleicher Körper. Des Herrn Bernoulli Widerlegung dieses Einwurfs durch Vergleichung mit der Zudrückung der Federn2 S.
§ 46 — Des Herrn Bernoulli Gedanken werden widerlegt1 S.
§ 47 — Der Gedanke des Herrn Bernoulli bestätiget unsere Meinung‹1 S.
§ 48 — Verteidigung der lebendigen Kräfte, durch die beständige Erhaltung einerlei Größe der Kraft in der Welt1 S.
§ 49 — Erste Auflösung dieses Einwurfs‹1 S.
§ 50 — Zweite Antwort auf gedachten Einwurf1 S.
§ 51 — Die Quelle des Leibnizischer Schlusses von Erhaltung eben derselben Größe der Kraft. Wie man dieser Schwierigkeit abhelfen könne. Entscheidung des Einwurfs, den der Herr von Leibniz machet3 S.
§ 52 — Nach Leibnizens Gesetze ist die Kraft in dem Anstoße eines kleinen elastischen Körpers gegen einen größern vor und nach dem Stoße gleich1 S.
§ 53 — Die angeführte Beobachtung der Leibnizianer ist den lebendigen Kräften gänzlich entgegen1 S.
§ 54 — Das vorige erhellet noch deutlicher, wenn man den Fall nimmt, darin ein größerer elastischer Körper einen kleineren stößet1 S.
§ 55 — Die Berechnung bestätiget es, daß in dem Falle, da ein größerer Körper einen kleineren stößt, nach dem Kartesianischen Gesetze eben dieselbe Größe der Kraft verbleibe1 S.
§ 56 — Die Kraft, womit der kleinere Körper von dem größern abprallt, hat das Zeichen Minus2 S.
§ 57 — Die Frau v. Chastelet hat hierüber zur Unzeitgescherzet‹1 S.
§ 58 — Die Leibnizianer fliehen vor der Untersuchung der lebendigen Kräfte durch den Stoß unelastischer Körper1 S.
§ 59 — Der Stoß unelastischer Körper ist in Absicht auf die lebendigen Kräfte entscheidender als der Stoß der elastischen1 S.
§ 60 — Die Ausflucht der Leibnizianer in Absicht auf den Einwurf, der ihnen von dem Stoße unelastischer Körper gemacht wird‹1 S.
§ 61 — Der Ursprung dieses irrigen Gedankens1 S.
§ 62 — Erste Antwort auf die Ausnahme der Leibnizianer1 S.
§ 63 — Zweite Antwort: Weil man einen Körper unelastisch nennen kann, wenn er gleich vollkommen hart ist1 S.
§ 64 — Dritte Antwort: Das Eindrücken der Teile ist kein Grund, weswegen in dem Stoße unelastischer Körper ein Teil der Kraft sollte verloren gehen1 S.
§ 65 — Vierte Antwort: Von der Proportion der Härte unelastischer Körper, und dem Grade der Kraft des Anlaufs, der bei der Ausnahme der Leibnizianer bestimmt sein müsse. Anwendung unserer Schlüsse2 S.
§ 66 — Der Stoß unelastischer Körper hebet die lebendigen Kräfte gänzlich auf1 S.
§ 67 — Allgemeiner Beweis: daß der Zusammenstoß elastischer Körper immer den lebendigen Kräften entgegen sein müsse1 S.
§ 68 — Ausführung dieses Beweises1 S.
§ 69 — Fortgesetzter Beweis, daß man in dem Stoß der Körper nichts wie die Anfangsgeschwindigkeit des gestoßenen zu erwägen habe1 S.
§ 701 S.
§ 71 — Von der Verteidigung der lebendigen Kräfte durch die Zusammensetzung der Bewegung1 S.
§ 72 — In welchem Verstande der Bülfingerische Beweis richtig sei1 S.
§ 73 — Herr Bülfinger hat über den Sinn der Streitfrage hinausgeschlossen1 S.
§ 74 — Eben derselbe Beweis ist in Absicht auf den Punkt, warum gestritten wird, fehlerhaft1 S.
§ 75 — Schluß hieraus‹1 S.
§ 76 — Aus dem Bülfingerischen Falle werden die lebendigen Kräfte selber widerleget1 S.
§ 77 — Eben dieselbe Widerlegung: auf eine andere Art2 S.
§ 78 — Die gerade Kraft in der Diagonallinie ist nicht der Summe der Kräfte nach den Seiten gleich‹1 S.
§ 79 — In der Leibnizischen Kräftenschätzung ist die Summe der in schräger Richtung ausgeübten Kräfte der Diagonalkraft gleich; allein bei der Kartesianischen ist jene oftermals unendliche mal größer als diese2 S.
§ 80 — Die lebendigen Kräfte werden durch einen neuen Fall widerlegt2 S.
§ 81 — Erweis: daß ein in einen Zirkel laufender Körper gegen die Schwere eben so eine Wirkung ausübe, als wenn er gegen eine schiefe Fläsche anliefe1 S.
§ 82 — Der kreislaufende Körper tut in jedweder endlichen Zeit gegen die Hindernisse der Schwere eine Würkung einer endlichen Kraft1 S.
§ 83 — Der Schluß‹1 S.
§ 84 — Wie die Kartesianische Schätzung dieser Schwierigkeit abhelfe1 S.
§ 85 — Noch ein neuer Widerspruch, welchem die lebendigen Kräfte hier ausgesetzet sein1 S.
§ 86 — Widerlegung des Bernoullischen Falles von der Spannung 4 gleicher Federn1 S.
§ 87 — Des Herrn von Mairans Einwendung gegen den Hermannschen Fall1 S.
§ 88 — Nutzbarkeit dieser Methode des Herrn von Mairan. Diese Methode ist die Hauptquelle dieser ganzen Abhandlung2 S.
§ 89 — Der Mangel dieser Methode ist eine Ursache mit gewesen, woher gewisse offenbare Irrtümer sehr lange sind verborgen geblieben. Wie der Mittel beschaffen sein muß, wodurch man der Langwierigkeit derer Irrtümer vorbeuget3 S.
§ 902 S.
§ 91 — Die Unterscheidungen des Bülfingers, womit er dem Einwurfe des Herrn von Mairan entgehen will, werden vermittelst dieser Methode abgetan. Unsere Methode beuget den Unterscheidungen des Herrn Bülfingers vor2 S.
§ 92 — Ein besonderer zusammengesetzter Fall des Herrn von Leibniz2 S.
§ 93 — Der Punkt des Fehlschlusses in diesem Beweise2 S.
§ 94 — Die Kraft, welche A durch die Einrichtung der Maschine erhält, ist keine hervorgebrachte Würkung der Kraft des Körpers B‹1 S.
§ 95 — Dieses wird bestätigt1 S.
§ 96 — Eben dieses aus dem Gesetze der Kontinuität erwiesen1 S.
§ 97 — Die ganze Größe des zureichenden Grundes in dem vorhergehenden Zustande1 S.
§ 98 — Die einzige Schwierigkeit, die noch in dem Leibnizischen Argumente stecken könnte. Wird beantwortet2 S.
§ 99 — Der Einwurf des Herrn Papins1 S.
§ 100 — Ein Vergehen des Herrn von Leibniz. Beweis, daß ein vielfacher Körper durch einen Stoß auf einen Hebel einem 1fachen 4 Grade Geschwindigkeit mitteilen könne. Eben dasselbe auf eine andere Art erwiesen. Wie Herr Papin hieraus gegen Leibnizen hätte argumentieren können4 S.
§ 1011 S.
§ 102 — Wir haben die vornehmsten Gründe der Leibnizianer widerlegt1 S.
§ 103 — Ein Argument des Herrn Wolffen1 S.
§ 104 — Der Haupt-Grundsatz dieses Argumentes2 S.
§ 105 — Noch ein Hauptgrund des Wolffischen Schediasmatis. Wird widerlegt4 S.
§ 106 — Wir haben noch keine Dynamik1 S.
§ 107 — Das Argument des Herrn von Musschenbrock2 S.
§ 108 — Untersuchung dieses Argumentes1 S.
§ 109 — Neuer Fall zu Bestätigung des Kartesianischen Kräftenmaßes2 S.
§ 110 — Leibnizens Zweifels-Knoten. Auflösung des Herrn Jurins2 S.
§ 111 — Der Frau von Chastelet Einwurf gegen Jurins Argument‹1 S.
§ 1121 S.
§ 113 — Herrn Richters Einwurf gegen Jurins Argument1 S.
§ 113 [a] — Zusätze und Erläuterungen, die einige Stücke dieses Kapitels Betreffen‹1 S.
I. Erläuterung zum 25ten § — Deutlicherer Vortrag des 25. §. Woher der undeterminierte Begriff der endlichen Zeit die unendlich kleine mit in sich schließet. Leibnizens Schätzung gilt auch nicht unter der Bedingung der endlichen Geschwindigkeit2 S.
II. Zusätze zu den § 31, bis § 36 — Woher die Zeit notwendig bei der Hindernis der Schwere in Anschlag kommt. Noch ein Beweis gegen die lebendige Kräfte3 S.
Gedanken über den Streit, zwischen der Frau Marquisin von Chastelet, und dem Herrn von Mairan, von den lebendigen Kräften — Verteidigung der Schätzungsart des Hrn. von Mairan gegen die Frau von Chastelet4 S.
III. Zusätze zu den § 45, 46, 47 — Erinnerung bei der Art, wie Herr Bernoulli in einen Körper die ganze Kraft von viel Federn zu bringen vermeinet2 S.
IV. Erläuterung des 105sten § — Ausführliche Darlegung der Fehler in dem Wolffischen Beweise4 S.
Drittes Hauptstück, Welches eine neue Schätzung der lebendigen Kräfte, als das wahre Kräftenmaß der Natur darleget. §§114-16350 S.
§ 114 — Woher dasjenige Gesetze, welches in der Mathematik falsch befunden worden, in der Natur statt haben könne1 S.
§ 115 — Unterschied zwischen dem mathematischen und natürlichen Körper, und derer beiderseits betreffenden Gesetze‹1 S.
§ 116 — Die Geschwindigkeit ist kein Begriff von einer Kraft1 S.
§ 117 — Es würde keine Kraft sein, wenn keine Bestrebung wäre, den Zustand in sich zu erhalten. Was die Intension sei. Erläuterung dieses Begriffes1 S.
§ 118 — Wenn die Intension wie ein Punkt ist, so ist die Kraft wie eine Linie, nämlich wie die Geschwindigkeit1 S.
§ 119 — Wenn die Intension endlich, d. i. wie eine Linie ist, so ist die Kraft wie das Quadrat1 S.
§ 120 — Der Körper, der seine Bewegung frei und immerwährend zu erhalten die innerliche Bestrebung in sich hat, hat eine Kraft, die wie das Quadrat der Geschwindigkeit ist‹1 S.
§ 121 — Der Körper erhebet aus seinem inneren Antriebe den Eindruck von draußen unendlich höher und in ein ganz anderes Geschlechte. Der Körper kann keine lebendige Kraft von draußen erlangen2 S.
§ 122 — Es sind unendlich viel Zwischengrade zwischen der toten u. lebendigen Kraft. Die lebendige Kraft entspringet nur in einer endlichen Zeit nach dem Anfange der Bewegung1 S.
§ 123 — Was die Vivifikation ist. Wie die Intension während der Lebendigwerdung der Kraft beschaffen sei. Wenn die Vivifikation aufhören sollte, ehe sie vollständig geworden, was würde alsdenn mit der Bewegung geschehen? Und wie wäre es alsdenn mit der Kraft beschaffen?2 S.
§ 124 — Neue Schätzung der Kräfte. Bedingungen derselben1 S.
§ 125‹1 S.
§ 126 — Weil es freie Bewegungen gibt, so gibt es auch lebendige Kräfte. Die Mathematik erlaubt keine freie Bewegungen1 S.
§ 127 — Leichtere Methode, diese Betrachtungen zu nutzen1 S.
§ 128 — Herr Bernoulli hat schon diese Begriffe gehabt. Aber er hat sie nicht in den tüchtigen Gründen aufgesucht1 S.
§ 129 — Die lebendige Kräfte sind von zufälliger Natur. Dieses haben auch die Leibnizianer erkannt. Und dennoch suchen sie sie in geometrisch notwendigen Wahrheiten. Sonderbarer Fehltritt des Herrn Hermanns in dieser Materie2 S.
§ 130 — Die Erfahrung bestätiget die sukzessive Lebendigwerdung1 S.
§ 131‹1 S.
§ 132 — Es gilt nicht bei allen Geschwindigkeiten überhaupt die Lebendigwerdung der Kräfte. Die Geschwindigkeit muß hiebei bestimmt sein. Folglich ist auch nicht ohne Unterscheid mit allen Geschwindigkeiten eine freie Bewegung möglich2 S.
§ 133 — Die Erfahrung bestätiget dieses1 S.
§ 134 — Ob die Lebendigwerdung und freie Bewegung in allen größern Graden der Geschwindigkeit ins Unendliche möglich sei1 S.
§ 135 — Was in Ansehung der freien Bewegung hieraus erfolge. Der Körper Fähigkeit in Ansehung dessen ist verschieden. Summa1 S.
§ 136 — Die lebendige Kraft kann zum Teil ohne Wirkung verschwinden. Beweis1 S.
§ 137 — Erklärung dieses Satzes nach unseren Begriffen der lebendigen Kraft1 S.
§ 138 — Folgerungen3 S.
§ 139 — Die Phaenomena derer Körper, die die Schwere überwinden, beweisen keine lebendige Kraft, dennoch streiten sie nicht dawider1 S.
§ 140 — Hierauf gegründete Proben‹1 S.
§ 141 — Weiche Körper wirken nicht mit ihrer ganzen Kraft1 S.
§ 142 — Aufgeworfene Frage, ob die Wirkung der Körper ohne Unterscheid ihrer Masse ihrer lebendigen Kraft proportional sein könne1 S.
§ 143 — Beantwortung1 S.
§ 144 — Die Masse muß bestimmt sein, mit welcher ein Körper die seiner lebendigen Kraft proportionierte Wirkung ausüben kann, unter dieser Größe können kleinere Massen dieses nicht tun1 S.
§ 1452 S.
§ 146 — Flüssigkeiten wirken in Proportion des Quadrates der Geschwindigkeit. Wie dieses aus dem Vorigen folge. Vom Widerstande des Mittel-Raumes1 S.
§ 147 — Wird durch die Erfahrung bestätiget1 S.
§ 148 — Die Bewegungen elastischer Körper heben Leibnizens Schätzung aber nicht die unsrige auf1 S.
§ 149 — Beweis‹1 S.
§ 1501 S.
§ 1511 S.
§ 152 — Musschenbroekscher mechanischer Beweis der lebendige Kräfte1 S.
§ 1531 S.
§ 154 — Eine gleich gespannte Feder teilet einem größeren Körper eine größere Kraft mit, als einem kleinern1 S.
§ 155 — Auflösung der Musschenbroekschen Schwierigkeit‹1 S.
§ 156 — Woher die Quadrate der Geschwindigkeiten der Zylinder in verkehrter Verhältnis der Massen sein1 S.
§ 157 — Versuche, die die lebendigen Kräfte beweisen1 S.
§ 158 — Einwurf der Kartesianer1 S.
§ 159 — Wird widerleget. Bei der Wirkung der Schwere kommt die Zeit mit in Anschlag. Dieses befindet sich bei der weichen Materie ganz anders2 S.
§ 1601 S.
§ 161‹1 S.
§ 162 — Das Moment der Hindernis der weichen Materie geschiehet mit endlicher Geschwindigkeit‹1 S.
§ 1632 S.
Quelle: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I, S. 7-219

Vorrede

Zitiert nach: Immanuel Kant, Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I.

Das Buch nimmt im zeitgenössischen Streit um die so genannten lebendigen Kräfte teil, und zwar gegen die in ganz Deutschland mehrheitliche Leibnizsche Partei. Die andere Partei ist die von Descartes. Der Autor hofft, seine Meinungen können die durch diesen Streit hervorgerufene große Spaltung in der europäischen Wissenschaft beilegen.

In der Vorrede werden die Vorurteile weggeräumt, die gegen einen unbekannten Schriftsteller, der es wagt, große Männer (Leibniz, Wolff, Hermann, Bernoulli, Bülfinger u. a.) zu widersprechen, auftreten dürften. Das Buch muss nicht danach beurteilt werden, ob der Verfasser berühmt ist. Dem Autor geht es allein um die Sache. Wenn er meint, eine richtigere Erkenntnis als ein großer Gelehrter zu haben, glaubt er nicht, deshalb auch größer als dieser zu sein, und er hat gar keine Absicht, diesem den Verdienst abzusprechen.

Ich will die Wahrheit nur ohne Umschweife gestehen. Ich werde nicht ungeneigt sein, diejenige Sätze vor würkliche Irrtümer und Falschheiten zu halten, welche in meiner Betrachtung unter dieser Gestalt erscheinen; und warum sollte ich mir den Zwang antun, diesen Gedanken in meiner Schrift so ängstlich zu verbergen, um dasjenige zu scheinen, was ich nicht denke, was aber die Welt gerne hätte, daß ich es dächte? (S. 21)
Wenn ich meiner eigenen Einbildung etwas zutrauen dürfte: so würde ich sagen, meine Meinungen könnten einige nicht unbequeme Handleistungen tun, eine der größten Spaltungen, die itzo unter den Geometrern von Europa herrschet, beizulegen. Allein diese Überredung ist eitel: Das Urteil eines Menschen gilt nirgends weniger als in seiner eigenen Sache. Ich bin vor die meinige so sehr nicht eingenommen, daß ich ihr zum besten einem Vorurteile der Eigenliebe Gehör geben wollte. Indessen mag es hiemit beschaffen sein wie es wolle, so unterstehe ich es mir doch, mit Zuversicht vorauszusagen: Dieser Streit werde entweder im kurzen abgetan werden oder er werde niemals aufhören. (S. 25)

Erstes Hauptstück. Von der Kraft der Körper überhaupt

Gegen die Auffassung, die Kraft der Körper sei eine bewegende Kraft, stellt Kant die These auf, sie ist eine wirkende Kraft. Begründung: Die Körper bewegen sich gerade, wenn sie keine Kraft auf andere Körper ausüben. Außerdem erklärt eine wirkende Kraft die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele, was mit einer bewegenden Kraft nicht zu verstehen wäre.

§ 7 — Etwas kann existieren, ohne in der Welt vorhanden zu sein. Denn der Ort hängt von den Wechselwirkungen zwischen den Substanzen und es können Substanzen geben, die keine Beziehungen zu anderen halten.

§ 8 — Man kann nicht sagen, etwas sei ein Teil eines Ganzen, wenn es keine Verbindung mit dem Ganzen hat. Substanzen, die nicht mit unserer Welt verbunden sind, können miteinander verbunden werden. „Es ist daher nicht richtig geredet, wenn man in den Hörsälen der Weltweisheit immer lehret, es könne, im metaphysischen Verstande, nicht mehr wie eine einzige Welt existieren.” (S. 32)

§10 — Dass der Raum drei Dimensionen hat, kommt daher, dass „die Substanzen in der existierenden Welt so in einander würken, daß die Stärke der Wirkung sich wie das Quadrat der Weiten umgekehrt verhält” (S. 34)

Die Unmöglichkeit, die wir bei uns bemerken, einen Raum von mehr als drei Abmessungen uns vorzustellen, scheinet mir daher zu rühren, weil unsere Seele ebenfalls nach dem Gesetze der umgekehrten doppelten Verhältnis der Weiten die Eindrücke von draußen empfängt, und weil ihre Natur selber dazu gemacht ist, nicht allein so zu leiden, sondern auch auf diese Weise außer sich zu würken. (S. 35)
Diese Gedanken können der Entwurf zu einer Betrachtung sein, die ich mir vorbehalte. Ich kann aber nicht leugnen, daß ich sie so mitteile, wie sie mir beifallen, ohne ihnen durch eine längere Untersuchung ihre Gewißheit zu verschaffen. Ich bin daher bereit, sie wieder zu verwerfen, so bald ein reiferes Urteil mir die Schwäche derselben aufdecken wird. (S. 36)

Dieses erste Hauptstück hält Kant für Metaphysik: „Es ist Zeit, daß ich diese metaphysische Vorbereitung endige.” (S. 38)

Unsere Metaphysik ist wie viele andere Wissenschaften in der Tat nur an der Schwelle einer recht gründlichen Erkenntnis; Gott weiß, wenn man sie selbige wird überschreiten sehen. (S. 42)

Gliederung (Übersicht) Gliederung (Paragraphen) Vorrede Metaphysische Vorbereitung

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Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala