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Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Untersuchung der Frage, ob die Erde in ihrer Umdrehung einige Veränderung erlitten habe (1754,1) heraus

Stand: Vorbereitender Durchgang der Spezifikation Dezember 2003 durchgeführt.

1754 (30) Aufsatz. Zeitschrift: Wöchentliche Königsbergische Frag- und Anzeigungsnachrichten. 9 S.
Originaltitel: Untersuchung der Frage, [ob die Erde in ihrer Umdrehung um die Achse, wodurch sie die Abwechselung des Tages und der Nacht hervorbringt, einige Veränderung seit den ersten Zeiten ihres Ursprungs erlitten habe und woraus man sich ihrer versichern könne,] welche von der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin zum Preise vor das jetztlaufende Jahr aufgegeben worden
Zeitschrift: Wöchentliche Königsbergische Frag- und Anzeigungsnachrichten Nr. 23 & 24, 8. Juni & 15. Juni.
Katalog-Nr. Adickes: 0018 / Warda: 002
Akademie-Ausgabe Bd. I: 183-191 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Aufsätze
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Überlegung über Erde und Mond und ihre Bewegung im Laufe der Jahrmillionen.

Ausgehend von der Theorie Newtons lässt sich behaupten, dass eine Änderung in der Bewegung der Erde nur durch eine äußere Kraft zustande kommen kann. Eine solche Kraft ist die Anziehung des Mondes. Sie verteilt sich zwar gleichmäßig über den Kontinenten, verursacht aber eine Bewegung der Ozeane, die sich der Umdrehung der Erde entgegensetzt. Einschätzung: dieses Hindernis wird in 2 Millionen Jahren der Erde die ganze Bewegung erschöpfen. Ferner lässt sich dieses Phänomen im Monde beobachten: Aus der Tatsache, dass der Mond immer dieselbe Seite der Erde zuwendet, lässt sich schließen, dass ursprünglich der Mond flüssig war und sich schneller um sich drehte. Daraus ergibt sich wiederum, dass der Mond erst dann zur Erde hinzugetan wurde, als die Erde nicht mehr flüssig war, sondern bereits einen festen Zustand eingenommen hatte.

Aus dem Buch

Zitiert nach: Immanuel Kant. Geographische und andere naturwissenschaftliche Schriften (=Philosophische Bibliothek Bd. 298), Felix Meiner Verlag, Hamburg, 1985.

Die Frage sollte man lieber nicht historisch angehen (Belege für eine Änderung in der Dauer des Tages in historischen Quellen suchen), weil dies unzuverlässig und vermutlich bloße Erdichtung wäre. (S. 3-4)

Die Bewegung der Erde um ihre Achse besteht unverändert, weil auf sie keine Kraft mehr wirkt. Newton hat überzeugend dargetan, dass im Himmelsraum es keinen Widerstand gegen die freie Bewegung der Körper gibt. Auf die Erde könnten also nur die Anziehungskraft der Sonne und des Mondes wirken. (S. 4-5)

Das Gewässer des Ozeans bedecket wenigstens den dritten Theil ihrer [der Erde] Oberfläche und […] (S. 5)

Die Anziehung des Mondes ist eine Kraft, die gegen die Umdrehung der Erde wirkt. Die Anziehung der festen Kontinenten behält zwar den Gleichgewicht, nicht so aber die der Ozeane, die sich danach Bewegen (wie die Erfahrung der Seefahrenden längst bewiesen hat). (S. 5)

Der Einfluss des Mondes ist zwar klein, aber nicht zu vernachlässigen, denn er ist die einzige wirkende Kraft und hat sehr viel Zeit. (S. 6)

[…] so wäre es ein einem Philosophen sehr unanständiges Vorurtheil, eine geringe Wirkung für nichtswürdig zu erklären, die durch eine beständige Summirung dennoch auch die größte Quantität endlich erschöpfen muß. (S. 6)

Einschätzung: dieses Hindernis wird in 2 Millionen Jahren der Erde die ganze Bewegung erschöpfen. (S. 7)

Man könnte Zeugnisse in der Geschichte suchen, die diese Hypothese unterstützen. (S. 8)

Aus der Tatsache, dass der Mond immer dieselbe Seite der Erde zuwendet, lässt sich schließen, dass ursprünglich der Mond flüssig war und sich schneller um sich drehte. Die Anziehungskraft der Erde hat bewirkt, dass die Umdrehung des Mondes immer langsamer wurde, bis zum aktuellen Zustand, wo der Mond sich genauso schnell um sich umdreht als um die Erde. (S. 9)

Daraus ergibt sich auch, dass der Mond erst dann zur Erde hinzugetan wurde, als die Erde nicht mehr flüssig war, sondern bereits einen festen Zustand eingenommen hatte.

Man kann die letztere Bemerkung als eine Probe einer Naturgeschichte des Himmels ansehen, in welcher der erste Zustand der Natur, die Erzeugung der Weltkörper und die Ursachen ihrer systematischen Beziehungen aus den Merkmaalen, die die Verhältnisse des Weltbaues an sich zeigen, mußten bestimmet werden. (S. 9)

Die Theorie des Himmels wird angekündigt. (S. 9)

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Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala