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Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Nachricht von der Einrichtung seiner Vorlesungen (1765,1) heraus

Stand: Vorbereitender Durchgang der Spezifikation Oktober 2003 durchgeführt.

1765 (41) Vorlesungsprogramm. 11 S.
Originaltitel: Nachricht von der Einrichtung seiner Vorlesungen in dem Winterhalbenjahre, von 1765-1766. Königsberg, bey Johann Jacob Kanter.
[Titel, 7 Bll.]
Katalog-Nr. Adickes: 0039 / Warda: 040
Akademie-Ausgabe Bd. II: 303-313 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Vorlesungsprogramme
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Erläuterung der Vorlesungen. Mit Betrachtungen über das Philosophielernen.

Die Nachricht fängt an mit einer Überlegung über die Bildung: Die Jugend soll an der Universität philosophieren, nicht Philosophie lernen, so lange es kein einziges Buch gibt, von dem man behaupten kann, es enthalte „die Philosophie”. Anschließend werden die Vorlesungen —Thema sowie Methode und Absichten— einzeln vorgestellt und inhaltlich miteinander in Verbindung gebracht: Metaphysik (Baumgarten), Logik (Meier), Ethik (Baumgarten), Physische Geographie (eigener Text).

Aus dem Buch

Zitiert nach: Immanuel Kant, Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I.

Über das Studium der Philosophie (S. 908):

Der den Schulunterweisungen entlassene Jüngling war gewohnt zu lernen. Nunmehro denkt er, er werde Philosophie lernen, welches aber unmöglich ist, denn er soll jetzt philosophieren lernen.

Die Philosophie ist kein Aggregat von Kenntnissen, sondern „Weisheit“ und „Einsicht“ (S. 909):

Um also auch Philosophie zu lernen, müßte allererst eine würklich vorhanden sein. Man müßte ein Buch vorzeigen und sagen können: sehet, hie ist Weisheit und zuverlässige Einsicht; lernet es verstehen und fassen, bauet künftighin darauf, so seid ihr Philosophen: bis man mir nun ein solches Buch der Weltweisheit zeigen wird, worauf ich mich berufen kann, wie etwa auf den Polyb, um einen Umstand der Geschichte, oder auf den Euklides, um einen Satz der Größenlehre zu erläutern, so erlaube man mir zu sagen: daß man des Zutrauens des gemeinen Wesens mißbrauche, wenn man, anstatt die Verstandesfähigkeit der anvertrauten Jugend zu erweitern, und sie zu künftig reifern eigenen Einsicht auszubilden, sie mit einer, dem Vorgeben nach, schon fertigen Weltweisheit hintergeht, die ihnen zu gute von andern ausgedacht wäre, woraus ein Blendwerk von Wissenschaft entspringt, das nur an einem gewissen Orte und unter gewissen Leuten vor echte Münze gilt, allerwärts sonsten aber verrufen ist.

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Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala