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Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik (1766) heraus

Stand: Vorbereitender Durchgang der Spezifikation zwischen Februar und November 2003 durchgeführt.

1766 (42) Monographie. 59 S.
Originaltitel: Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik [Vignette velut aegri somnia, vanae Finguntur species. Hor. Königsberg, bey Johann Jacob Kanter. 1766
[128 S.]
Katalog-Nr. Adickes: 0040 / Warda: 041
Akademie-Ausgabe Bd. II: 315-373 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Bücher und Broschüren
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Metaphysische Auseinandersetzung mit den Visionen eines Phantasten.

Die Frage, ob es körperlose Geister gibt, ist durch Vernunft allein nicht endgültig zu beantworten. Zu diesem Schluss kommt man, nachdem man die metaphysischen Argumente dafür und dagegen erläutert und sich die Visionen und träumerischen Schriften eines Phantasten (des schwedischen Theosophen Emanuel von Swedenborg) vergegenwärtigt hat. Die Abhandlung ergibt zwar keine neuen positiven Erkenntnisse in der Streitfrage, doch sie ist nicht umsonst, denn aus ihr gewinnen wir den Begriff der Metaphysik als eine Wissenschaft von den Möglichkeiten und Grenzen der Vernunft.

Gliederung (Übersicht) Gliederung (Detail) Über Emanuel von Swedenborg Der Autor über das Buch Aus dem Buch

Gliederung (Übersicht)

Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik.69 S.
Ein Vorbericht der sehr wenig vor die Ausführung verspricht2 S.Nicht ganz ernst gemeinte Abhandlung.
Der erste Teil welcher dogmatisch ist40 S.Das Dasein geistiger Wesen ist, theoretisch gesehen, nicht grundsätzlich auszuschließen. Sogar lässt sich die Möglichkeit einer geistigen Welt (mundus intelligibillis) erahnen, einer Welt, die außer Raum und Zeit sein und aus allen geistigen Wesen (auch unseren Seelen) bestehen könnte, obwohl dies metaphysisch nicht schlüssig zu beweisen ist, und man auch durchaus meinen kann, es gebe gar keine immaterielle Welt.
Der zweite Teil welcher historisch ist25 S.Wiedergabe der Visionen und träumerischen Schriften des Herrn Schwedenberg. Darstellung der Metaphysik als eine Wissenschaft, die uns in diesen Angelegenheiten zwar keine neuen Erkenntnisse beibringen, aber sehr wohl voranbringen kann, indem sie klarmacht, was wir mit der Vernunft nie erreichen können.
Quelle: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I, S. 921-989. Inhaltsangabe ist unsere.

Gliederung (Detail)

Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik.69 S.
Ein Vorbericht der sehr wenig vor die Ausführung verspricht2 S.Der Verfasser ist einer zunächst scheinbar glaubwürdigen Erzählung über einen Geisterseher nachgegangen, die sich als heiße Luft herausgestellt hat. Die vorliegende Abhandlung ist nicht ganz ernst gemeint.
Der erste Teil welcher dogmatisch ist40 S.
1. Hauptstück. Ein verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach Belieben auflösen oder abhauen kann11 S.Neben den Substanzen, die die Materie ausmachen, kann es immaterielle Naturen geben, die den Geist ausmachen. Ein immaterielles Wesen würde zwar einen Raum einnehmen (in ihm tätig sein), aber keinen Raum erfüllen (keine Ausdehnung haben, keine Figur aufweisen). Ich neige dazu, die Seele unter den unmateriellen Naturen zu zählen. Das Phänomen der Einheit von Körper und Geist bleibt mir aber dunkel.
2. Hauptstück. Ein Fragment der geheimen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu eröffnen16 S.Eine metaphysische Überlegung führt zur Existenz einer immateriellen Welt (mundus intelligibillis), die aus alle Lebewesen besteht, im Gegensatz zur toten Materie, die den mechanischen Gesetzen folgt. Die geistige Welt ist außerhalb von Raum und Zeit. Diese Überlegung kann durch die Erfahrung des sittlichen Gefühls gestützt werden (denn dieses Gefühl kann als Erscheinung vom Gesetz der Abhängigkeit des Privatwillens vom allgemeinen Willen aufgefasst werden). Die geistige Welt wirkt zwar auf unsere Seele, doch deren Vorstellungen vermischen sich mit den leiblichen, was es schwierig oder gar unmöglich macht, einem Geisterseher von einem Phantasten zu unterscheiden.
3. Hauptstück. Antikabbala. Ein Fragment der gemeinen Philosophie die Gemeinschaft mit der Geisterwelt aufzuheben8 S.Es gibt Träumer der Vernunft, die sich eine eigene Welt einbilden, die sie mit den anderen nicht teilen. Es gibt Geisterseher, die etwas wahrnehmen wollen, das sonst keiner wahrnimmt. Im Gegensatz zu den Träumern halten die Geisterseher Einbildung und Wirklichkeit nicht auseinander. Der Einbildung Wirklichkeit zuzusprechen, sollte als Irrtum (gar Krankheit) eingestuft werden.
4. Hauptstück. Theoretischer Schluß aus den gesamten Betrachtungen des ersten Teils5 S.Durch Theorie lässt sich nicht endgültig klären, ob die Geisterseher etwas mehr als bloße Einbildung erfahren. Dem Leser bleibt das Urteil frei. Ich bevorzuge persönlich die Auffassung des 2. Hauptstücks (der geheimen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu eröffnen).
Der zweite Teil welcher historisch ist25 S.
1. Hauptstück. Eine Erzählung, deren Wahrheit der beliebigen Erkundigung des Lesers empfohlen wird5 S.Wiedergabe einige Visionen des Herrn Schwedenberg (der aus seiner vermeintlichen Fähigkeit, mit den Toten zu verkehren, sein Hauptberuf machte).
2. Hauptstück. Ekstatische Reise eines Schwärmers durch die Geisterwelt14 S.Wiedergabe der Schriften eines Phantasten (des Herrn Schwedenberg). Darstellung der Metaphysik als eine Wissenschaft von den Grenzen der menschlichen Vernunft.
3. Hauptstück. Praktischer Schluß aus der ganzen Abhandlung6 S.Bei der Beschäftigung mit Geistern, dem Leben nach dem Tod usw. ist die Vernunft völlig überfordert. Wir sollten auf diesen Streitereien verzichten und uns auf das beschränken, was wir tun können.
Quelle: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I, S. 921-989. Inhaltsangabe ist unsere.

Über Emanuel von Swedenborg

Siehe den Brief an Charlotte von Knobloch vom 10. August 1763, in dem Kant erzählt, wie er zum ersten Mal von Herrn Schwedenborg [sic] hörte. Hier zeigt sich Kant an dem Fall interessiert und freut sich darauf, sein (damals noch nicht veröffentlichte) Buch zu lesen.

Siehe auch die Metaphysikvorlesungen (Erfurt, 1821, S. 257 ff.). Hier heißt Kant die Auffassung Swendenborgs gut, nach der die Seelen miteinander in geistiger Gemeinschaft stehen, obwohl wir dieses zeitlebens nicht einsehen, weil wir nur über die sinnliche Anschauung verfügen. Erst mit dem Tod macht sich unser geistige Auge auf. „Der Gedanke des Swedenborg ist hierin sehr erhaben.“

[ Hintergrund: Swedenborg ]

Der Autor über das Buch

Im Brief an Moses Mendelssohn vom 7. Februar 1766 sagt Kant, dass ihm das Buch (das er als einen flüchtigen Entwurf bezeichnet) aufgedrungen wurde:

Es ist eine gleichsam abgedrungene Schrift, und enthält mehr einen flüchtigen Entwurf von der Art wie man über dergleichen Fragen urtheilen solle als die Ausführung selber.

Aufschlussreich ist der Brief an Moses Mendelssohn vom 8. April 1766. Kant soll die Schrift mit Unwillen verfasst haben. Er soll im Buch über sich gespottet haben, um dem Gespött anderer zuvorzukommen. Dabei sei er aber immer aufrichtig gewesen, denn er habe zu diesem Thema widersprüchliche Gefühle. Kant soll die Metaphysik selbst hochschätzen, nur die gegenwärtig gängigen, völlig verkehrten metaphysischen Schriften soll er „mit Widerwillen, ja mit einigem Hass” ansehen.

Aus dem Buch

Zitiert nach: Immanuel Kant, Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. I.

Das Buch erschien Anonym.

Ein Vorbericht der sehr wenig vor die Ausführung verspricht

Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten. (Anfang, S. 923)

Der Verfasser ist einer zunächst scheinbar glaubwürdigen Erzählung über einen Geisterseher nachgegangen. Die Geschichte hat sich als heiße Luft herausgestellt.

Er [der Verfasser] bekennet mit einer gewissen Demütigung, daß er so treuherzig war, der Wahrheit einiger Erzählungen von der erwähnten Art nachzusprüren. Er fand — — — wie gemeiniglich, wo man nichts zu suchen hat — — — er fand nichts. (S. 924)

Warum denn dieses Buch schreiben? Die geleistete Arbeit sollte nicht umsonst sein. Dazu kommt, dass viele Leute den Verfasser nach diesem Fall fragen. Dazu noch [wohl spöttisch gemeint], dass ein Werk [Swedenborgs Arcana coelestia, in 8 Bänden] gekauft, und, „welches noch schlimmer ist”, gelesen worden war.

Das Buch ist nicht ganz ernst gemeint:

Daraus entstand nun die gegenwärtige Abhandlung, welche, wie man sich schmeichelt, den Leser nach der Beschaffenheit der Sache völlig befriedigen soll, indem er das Vornehmste nicht verstehen, das andere nicht glauben, das übrige aber belachen wird. (S. 924)

Der erste Teil welcher dogmatisch ist

1. Hauptstück. Ein verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach Belieben auflösen oder abhauen kann

Die Rede ist von Geistern, die Teile des Weltganzen sind, nicht von Gott, dem unendlichen Geist (Fußnote S. 927)

Geist = immaterielles Wesen mit Vernunft
Materie = Ganzes der materiellen Einheiten, der einfachen Substanzen, deren Zusammensetzung ein undurchdringliches und ausgedehntes Ganze gibt. (S. 928)

Man kann „die Möglichkeit immaterieller Wesen annehmen ohne Besorgnis widerlegt zu werden, wiewohl auch ohne Hoffnung, diese Möglichkeit durch Vernunftgründe beweisen zu können.” (S. 929)

Ein immaterielles Wesen würde zwar einen Raum einnehmen (in ihm tätig sein), aber keinen Raum erfüllen (keine Ausdehnung haben, keine Figur aufweisen). (S. 930-931)

Dieses sind schwer einzusehende Gründe der vermuteten Möglichkeit immaterieller Wesen in dem Weltganzen. Wer im Besitze leichterer Mittel ist, die zu dieser Einsicht führen können, der versage seinen Unterricht einem Lehrbegierigen nicht, vor dessen Augen im Fortschritt der Untersuchung sich öfters Alpen erheben, wo andere einen ebenen und gemächlichen Fußsteig vor sich sehen, den sie fortwandern oder zu wandern glauben. (S. 930-931)
Ich gestehe, daß ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen in der Welt zu behaupten, und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu versetzen. (S. 934)

Das Dasein immaterieller Naturen würde z. B. zu der Freiheit der Lebewesen passen, die schwer aus dem Materiellen zu erklären wäre. (S. 934)

Die Einheit von Körper und Geist bleibt dem Verfasser dunkel. (S. 936)

2. Hauptstück. Ein Fragment der geheimen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu eröffnen

Der Initiat hat schon den groben und an den äußerlichen Sinnen klebenden Verstand zu höhern und abgezogenen Begriffen gewöhnt, und nun kann er geistige und von körperlichen Zeuge enthüllete Gestalten in derjenigen Dämmerung sehen, womit das schwache Licht der Metaphysik das Reich der Schatten sichtbar macht.

Und unmittelbar danach: „Wir wollen daher, nach der beschwerlichen Vorbereitung welche überstanden ist, uns auf den gefährlichen Weg wagen.” (S. 936)

Die tote Materie folgt den mechanischen (physischen und mathematischen) Gesetzen. Es gibt eine immaterielle Welt (mundus intelligibilis), die aus den immateriellen Wesen besteht. Diese trifft man in den Lebewesen, die eigene innere Tätigkeit haben. (Dass dies eine Welt ist, heißt, dass die immateriellen Wesen unmittelbar in Beziehung zueinander stehen und nicht erst durch die Materie.) (S. 936-937)

Die immaterielle Welt besteht aus allen lebenden Wesen. Die Gemeinschaft dieser immateriellen Naturen ist frei von den körperlichen Schranken (darunter Ort und Zeitalter: sie spielen in der materiellen Welt eine große Rolle, in der immateriellen aber überhaupt keine). (S. 940)

Wenn man von dem Himmel als dem Sitze der Seligen redet, so setzt die gemeine Vorstellung ihn gerne über sich, hoch in dem unermeßlichen Weltraume. […] Nach den angeführten Begriffen aber würde der Himmel eigentlich die Geisterwelt sein, oder, wenn man will, der selige Teil derselben, und diese würde man weder über sich noch unter sich zu suchen haben, weil ein solches immaterielle Ganze nicht nach den Entfernungen oder Naheiten gegen körperliche Dinge, sondern in geistigen Verknüpfungen seiner Teile untereinander vorgestellt werden muß, wenigstens die Glieder derselben sich nur nach solchen Verhältnissen ihrer selbst bewußt sind. (Anmerkung S. 940-941)

[ Anmerkung.

Ähnliches befindet sich in den Metaphysikvorlesungen:

Demnach wird der Himmel nicht der unermeßliche Raum seyn, den die Weltkörper einnehmen, und der sich in blauer Farbe zeigt, wo man durch die Luft hinfahren müßte, wenn man hinkommen wollte; sondern die Geisterwelt ist der Himmel; und in dem Verhältniß und der Gemeinschaft mit der Geisterwelt stehen, heißt: im Himmel seyn. Demnach wird die Seele nicht in die Hölle kommen, wenn sie boshaft gewesen ist; sondern sie wird sich nur in der Gesellschaft der bösen Geister sehen, und das heißt: in der Hölle seyn. — [S. 254-255]

Vgl. die 11 Jahre frühere Schrift Theorie des Himmels

]

Hier wurde eine systematische Verfassung der Geisterwelt vorgestellt ausgehend von einem „gar zu sehr” hypothetischen Begriff der geistigen Natur. (S. 942)

[Exkurs]

Versuch, die vorige hypothetische Erwägung mit bekannten Beobachtungen zu stützen.

Nicht nur Eigennutz, sondern auch Gemeinnutz treibt den Menschen. Die Regel des allgemeinen Willens stellt die geheimste Beweggründe. Daraus entsteht „eine moralische Einheit und systematische Verfassung nach bloß geistigen Gesetzen”. Das sittliche Gefühl, das wir empfinden, ist nicht der allgemeine Wille selbst, sondern seine Erscheinung. (S. 943-944)

Newton nannte Gravitation das Gesetz, nach dem die Körper dazu neigen, einander zu nähern. Die wahre Wirkung der Materie ineinander nannte er Anziehung. Wäre es nicht möglich, dass es in der immateriellen Welt das Gesetz der Abhängigkeit des Privatwillens vom allgemeinen Willen gibt, und dass seine Erscheinung das sittliche Gefühl ist? (S. 944)

[ Anmerkung

Diese These bezeichnet Kant in einem Brief an Mendelssohn (letztem Absatz) als nicht ernsthaft, sondern zugespitzt:

[…] und mein Versuch von der Analogie eines wirklichen sittlichen Einflusses der geistigen Naturen mit der allgemeinen Gravitation ist eigentlich nicht eine ernstliche Meinung von mir sondern ein Beyspiel wie weit man und zwar ungehindert in philosophischen Erdichtungen fortgehen kan [sic] wo die data fehlen, und wie nöthig es bey einer solchen Aufgabe sey auszumachen was zur solution des problems nöthig sey und ob nicht die dazu nothwendigen data fehlen.

]

[Exkurs Ende]

Die Seele des Menschen hat eine ganz andere Vorstellung seiner selbst als Geist (durch immaterielles Anschauen) und als Menschen (durch Eindrucke körperlicher Organen). (S. 946) Die geistigen und die leiblichen Vorstellungen sind voneinander zwar getrennt (S. 947), nicht aber vollkommen abgeschirmt (S. 948).

3. Hauptstück. Antikabbala. Ein Fragment der gemeinen Philosophie die Gemeinschaft mit der Geisterwelt aufzuheben

[…] wenn von verschiedenen Menschen ein jeglicher seine eigene Welt hat, so ist zu vermuten, daß sie träumen. (S. 952)

Es gibt Träumer der Vernunft, die sich eine eigene Welt einbilden, die sie mit den anderen nicht teilen. Wünschenswert wäre, dass alle Philosophen zu derselben Zeit eine gemeinschaftliche Welt bewohnen (es gibt in den Wissenschaften jetzt Anzeichen dafür, dass sich dies nähert; die Größenlehrer haben diese Welt schon immer bewohnt). (S. 952)

Es gibt Geisterseher, die etwas wahrnehmen wollen, das sonst keiner wahrnimmt. Im Gegensatz zu den Träumern halten die Geisterseher Einbildung und Wirklichkeit nicht auseinander. Denn die (Tag-)Träume spielen sich im Inneren ab und sind deutlich trennbar von den äußeren Empfindungen. Beim Geisterseher hingegen mischen sich die eingebildeten mit den realen Empfindungen. (S. 953-954)

4. Hauptstück. Theoretischer Schluß aus den gesamten Betrachtungen des ersten Teils

Man wird sagen, daß dieses eine sehr ernsthafte Sprache sei, vor eine so gleichgültige Aufgabe, als wir abhandeln, die mehr ein Spielwerk als eine ernstliche Beschäftigung genannt zu werden verdient, und man hat nicht Unrecht, so zu urteilen. (S. 961)

Bild der Verstandeswaage (S. 960-961):

Die Verstandeswaage ist doch nicht ganz unparteiisch, und eine Arm derselben, der die Aufschrift führet: Hoffnung der Zukunft, hat einen mechanischen Vorteil, welcher macht, daß auch leichte Gründe, welche in die ihm angehörige Schale fallen, die Spekulationen von an sich größeren Gewichte auf der andern Seite in die Höhe ziehen.

So neigen wir dazu, den Geistersehern Glauben zu schenken, wegen der Hoffnung, nach dem Tod noch ein Seelenleben zu haben.

„Dem Leser bleibt das Urteil frei; […]” der Verfasser bevorzugt die Auffassung des 2. Hauptstücks (der geheimen Philosophie, die Gemeinschaft mit der Geisterwelt zu eröffnen). (S. 963)

Zur Methodik. Da man von Geistern keine Sinneserfahrung hat, kann die Überlegung über sie nur verneinend sein (womit die Überlegung auch abgerundet und ihr nichts mehr hinzuzufügen ist). (S. 936)

Nunmehro lege ich die ganze Materie von Geistern, ein weitläuftig Stück der Metaphysik, als abgemacht und vollendet bei Seite. Sie geht mich künftig nichts mehr an. (S. 964)

Der zweite Teil welcher historisch ist

2. Hauptstück. Ekstatische Reise eines Schwärmers durch die Geisterwelt

Die Metaphysik, in welche ich das Schicksal habe verliebt zu sein, […] (S. 982)

Die Metaphysik ist „eine Wissenschaft von den Grenzen der menschlichen Vernunft.” (S. 982-983)

Zwar hat diese Abhandlung keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht, doch sie ist nicht umsonst gewesen, denn sie hat Wahn und falsches Wissen enthüllt und gezeigt, welches Wissen erreichbar und welches unerreichbar ist. (S. 983)

Gliederung (Übersicht) Gliederung (Detail) Über Emanuel von Swedenborg Der Autor über das Buch Aus dem Buch

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Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala