Sie besuchen eine archivierte Seite!

Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783) heraus

Stand: 1. Durchgang der Spezifikation wurde zwischen August 2004 und Februar 2005 durchgeführt.

1783 (59) Monographie. 131 S.
Originaltitel: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können, von Immanuel Kant. [Vignette: Zierstück] Riga, bey Johann Friedrich Hartknoch. 1783.
[222 S.]
Katalog-Nr. Adickes: 0049 / Warda: 075 / 076 / 077
Akademie-Ausgabe Bd. IV: 253-383 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Bücher und Broschüren
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Übersicht zur Kritik der reinen Vernunft. Grundlegung von Mathematik, reiner Erfahrungswissenschaft und Metaphysik.

Die Prolegomena sollten als Plan und Leitfaden für eine zu vollziehende öffentliche Untersuchung der Kritik der reinen Vernunft dienen. Aus der Grundfrage nach der Möglichkeit, allein durch Vernunft die Erkenntnisse zu erweitern, ergibt sich die Grundlegung der Mathematik, der reinen Erfahrungswissenschaft und einer künftigen, allgemein anerkannten, gemeinnützigen Metaphysik als Wissenschaft.

Zusammenfassung Gliederung (Teile) Gliederung (Teile, lang) Textausgaben
Grundbegriffe: Erkenntnisarten Menschliches Vermögen
Sinnlichkeit: Anschauung
Verstand: Tafel der Urteile, Verstandesbegriffe und Naturgrundsätze
Vernunft: Transzendentale Ideen Tafel der Antinomien

Zusammenfassung

VZ100: Die Kritik der reinen Vernunft bringt ein Kriterium zur metaphysischen Wahrheit. Dass sich durch bloße Vernunft Erkenntnisse erweitern lassen, sieht man in Mathematik und Naturwissenschaft. Mathematik basiert auf reiner Anschauung von Raum und Zeit und gilt deshalb für alle Erfahrung. Reine Naturwissenschaft basiert darauf, dass der Verstand durch Urteilen Erfahrungsurteile hervorbringt, weshalb die Natur formell durch Analyse des Verstandes a priori erkennbar ist. Metaphysik als Wissenschaft ist möglich, weil die Ideen der Vernunft auch transzendental (nicht dogmatisch) eingesetzt werden können. Die Prolegomena könnten als Leitfaden für eine öffentliche Untersuchung der Kritik dienen, aus der eine reformierte, wissenschaftliche Metaphysik hervorgehen soll.

VZ200: Die gegenwärtige Metaphysik ist schädlich und muss reformiert werden. Ihr Kernproblem: Sie kann Wahrheit und Schein nicht unterscheiden. Dies löst die Kritik der reinen Vernunft, deren Grundfrage lautet: Lassen sich durch bloße Vernunft Erkenntnisse erweitern? Man stellt zunächst fest, dass die Mathematik Erkenntnisse a priori erweitert. Da außerdem ihre Begriffe in concreto sind, kann sie nur auf der Form unserer Sinnlichkeit gründen, auf der Anschauung von Raum und Zeit, was auch erklärt, warum ihre Ergebnisse für alle empirischen Gegenstände gelten. Der nächste Schritt besteht in der Frage, ob die Natur a priori erkennbar ist. Aus einer Wahrnehmung ergibt sich keine Notwendigkeit. Doch unser Verstand urteilt, d. h. subsumiert Wahrnehmungen unter Verstandesbegriffen, womit erst allgemeingültige Erfahrungsurteile entstehen. Die von der Logik aufgestellten Urteilsarten führen deshalb zu einer Tafel der Kategorien und ferner zu den Naturgrundsätzen. Der letzte Schritt beschäftigt sich mit der Vernunft, d. h. unserer Fähigkeit, Verstandeserkenntnisse zu vervollständigen, was zur psychologischen (Ich), kosmologischen (Welt) und theologischen (Gott) Idee führt. Dogmatisch missleiten zwar diese Ideen zur Dialektik, doch ihr transzendentaler Gebrauch führt zu einer wissenschaftlichen Metaphysik. Um eine solche, gemeinnützige Metaphysik zu verwirklichen, schlage ich eine öffentliche Untersuchung der Kritik vor. Diese Prolegomena können dabei als Plan und Leitfaden dienen.

Zusammenfassung (VZ500)

Die Schulmetaphysik

Diese Prolegomena können den mitdenkenden Leser davon überzeugen, dass die Metaphysik sich in einem bedauernswerten Zustand befindet und einer völligen Reform bedarf. Das Grundproblem der Schulmetaphysik ist, dass sie über kein Kriterium für die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Schein verfügt, was zu inkonsistenten Ergebnissen, Oberflächlichkeit und Schwärmerei führt. Humes Missbilligung des Dogmatismus, die im Kern richtig ist, hätte eine Neugründung der Metaphysik verursachen können, hätte man ihm nur verstanden. Die Kritik verallgemeinert und löst das Humesche Problem.

Die Kritik der reinen Vernunft

Erkenntnisarten — Die Erkenntnisse zerfallen nach Art der Aussage in analytisch (erläuternd) und synthetisch (erweiternd) und nach Art der Begründung in a priori (aus Vernunftgründen) und a posteriori (aus Erfahrung). Die Frage, ob synthetische Urteile a priori möglich sind (das heißt, ob man durch bloße Vernunft seine Erkenntnisse erweitern und nicht nur erläutern kann), wurde bisher völlig übersehen, ist aber die Schlüsselfrage einer wissenschaftlichen Metaphysik überhaupt.

Sinnlichkeit. Die reine Mathematik — Die Mathematik erweitert die Erkenntnisse mit apodiktischer Gewissheit, ohne sich auf die Erfahrung zu stützen. Sie muss also synthetische Sätze a priori beweisen können. Da sie die Begriffe in concreto anschaut, muss sie unbedingt auf einer reinen Anschauung basieren. Da der Mensch nur über sinnliche Anschauung verfügt, muss eine reine Anschauung allein in der Form der Sinnlichkeit bestehen, d. h. eine Anschauung des Raums oder der Zeit sein. Die Mathematik untersucht also die Anschauung von Zeit und Raum und deshalb gelten ihre Ergebnisse genau und unbedingt für alle Gegenstände der Erfahrung.

Verstand. Die reine Naturwissenschaft — Die Naturwissenschaft überhaupt, ob Physik oder Psychologie, untersucht die ganze Natur, d. h. alle Gegenstände der Erfahrung. Eine reine Naturwissenschaft ist deshalb möglich, obwohl wir die Natur nicht an sich selbst erkennen können, weil wir etwas über die Möglichkeit einer Erfahrung a priori aussagen können, nämlich, dass in jedem Erfahrungsurteil der Verstand eine Wahrnehmung unter einem Verstandesbegriff subsumiert, ohne den das Erfahrungsurteil (wie Hume entdeckte) nie absolute Gültigkeit erlangen könnte. Natur wird also zwar materiell durch die Sinnlichkeit erkannt, formell aber durch den Verstand, der urteilt. Deshalb kann man ausgehend von der logischen Tafel der Urteile die Kategorien (Verstandesbegriffe) systematisch ausmachen und aus diesen auf die Grundsätze der Natur schließen.

Vernunft. Die Metaphysik — Die Vernunft bringt Ideen (Vernunftbegriffe) hervor, indem sie die Verstandeserkenntnisse vervollständigt. Während die Verstandesbegriffe immanent eingesetzt werden, ist der Gebrauch der Ideen transzendent und missleitet zu einem Schein (Dialektik), der nur durch Kritik zu beheben ist. Ausgehend von den drei Vernunftschlüssen lassen sich die Ideen systematisch aufzählen: psychologische, kosmologische und theologische Idee. Deren Dialektik: Paralogismus, Antinomien bzw. Ideal der reinen Vernunft. Die Ideen haben einen praktischen (moralischen) Nutzen. Ihr transzendentale (nicht dogmatische) Gebrauch bildet den Grenzbereich aller Vernunfterkenntnisse, die über die Erfahrung hinausgehen, ohne Dinge an sich selbst zu bestimmen: die Metaphysik.

Die reformierte Metaphysik

Die Kritik findet den Maßstab der metaphysischen Erkenntnisse und stellt Plan und Mittel zur Vollendung der reformierten Metaphysik dar. Ich schlage eine öffentliche Auseinandersetzung vor, eine fortschreitende, durch die Prolegomena geleitete Untersuchung der Kritik, die zur allgemein anerkannten, gemeinnützigen Metaphysik als Wissenschaft führen soll.

Zusammenfassung Gliederung (Teile) Gliederung (Teile, lang) Textausgaben
Grundbegriffe: Erkenntnisarten Menschliches Vermögen
Sinnlichkeit: Anschauung
Verstand: Tafel der Urteile, Verstandesbegriffe und Naturgrundsätze
Vernunft: Transzendentale Ideen Tafel der Antinomien

Gliederung (Teile)

Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können152 S.
[Einleitung]11 S.Der Zustand der Metaphysik ist bedauernswert und reformbedürftig. Der Beitrag Humes hätte sie reformieren können, blieb aber unverstanden. Die Kritik der reinen Vernunft verallgemeinert die Fragestellung Humes, überwindet sein Skeptizismus und gibt der künftigen Metaphysik eine feste Grundlage. Es ist naturgemäß ein schwerverständliches Werk. Die Prolegomena stellen seinen Plan verständlicher dar.
Vorerinnerung von dem Eigentümlichen aller metaphysischen Erkenntnis18 S.Die Erkenntnisse a priori (nicht aus Erfahrung) basieren nicht nur auf dem Satz des Widerspruchs (wie bei analytischen Urteilen), sondern auch auf Anschauungen und Begriffen (bei synthetischen Urteilen). Dass letztere möglich sind und somit die Metaphysik als Wissenschaft möglich ist, sehen wir hier ausgehend von Erkenntnissen der reinen Mathematik und Naturwissenschaft.
Der transzendentalen Hauptfrage Erster Teil. Wie ist reine Mathematik möglich?17 S.Die Begriffe der Mathematik werden in concreto angeschaut und bringen apodiktische Gewissheit. Es muss daher eine Anschauung a priori geben. Da diese die Form der Sinnlichkeit betrifft, gelten die Aussagen der Mathematik für jegliche sinnliche Gegenstände. Nur unser Ansatz (der kein Idealismus ist) begründet die Mathematik und löst andere Paradoxa auf.
Der transzendentalen Hauptfrage Zweiter Teil. Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?38 S.Die reine Naturwissenschaft ist deshalb möglich, weil wir über Wahrnehmungsurteile hinaus auch Erfahrungsurteile machen können, indem unser Verstand die Vorstellungen unter einem allgemeingültigen Begriff subsumiert. Aus dem Prinzip des Urteilens als Verstandeshandlung ergeben sich alle Grundsätze der reinen Naturwissenschaft und auch die Maxime, den Verstand nie jenseits der Erfahrung anzuwenden.
Der transzendentalen Hauptfrage Dritter Teil. Wie ist Metaphysik überhaupt möglich?45 S.Dass Metaphysik möglich ist, zeigt die kritische Bestimmung des Grenzbereiches der reinen Vernunft. Man kommt systematisch zu den reinen Ideen (Vernunftbegriffen): zur psychologischen, kosmologischen und theologischen Idee. Ihr dogmatischer Gebrauch führt zur Dialektik: dem Paralogismus, den Antinomien und dem Ideal der reinen Vernunft. Diese Ideen haben einen praktischen (moralischen) Nutzen.
Auflösung der allgemeinen Frage der Prolegomenen8 S.Die Kritik bestimmt das Kriterium einer wissenschaftlichen Metaphysik: synthetische Sätze a priori zu beweisen. Dies hat die alte Metaphysik seit Aristoteles nie erfüllt. Die Kritik als System a priori enthält Plan und Mittel zur Vollendung der Metaphysik als Wissenschaft, deren apodiktischen spekulativen Erkenntnisse weder auf Mutmaßung noch gesundem Menschenverstand basieren.
Anhang von dem, was geschehen kann, um Metaphysik als Wissenschaft wirklich zu machen15 S.Die Göttinger Rezension ist ein Gegenbeispiel für eine Prüfung der Kritik. Der Rezensent, den ich zu öffentlicher Diskussion herausfordere, missdeutet mein Idealismus und beurteilt das Werk aus der Schulmetaphysik heraus. Ich schlage eine Auseinandersetzung vor, eine fortschreitende, durch die Prolegomena geleitete Untersuchung der Kritik, die zu einer wissenschaftlichen Metaphysik führen soll.
Textgrundlage: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. III, S. 109-264. Inhaltsangabe VZ50 ist unsere.

Gliederung (Teile, lang)

Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können152 S.
[Einleitung]11 S.Der Zustand der Metaphysik ist bedauernswert. Den denkenden Leser können diese Prolegomena davon überzeugen, dass die Metaphysik einer völligen Reform bedarf. Der Beitrag Humes hätte eine Neugründung der Metaphysik hervorgerufen, hätte man ihn nur verstanden. Er warf das Problem der Verknüpfung von Ursache und Wirkung auf und entdeckte, sie kann nicht in der Erfahrung gründen. Die Verallgemeinerung dieses Problems überwindet auch Humes Skeptizismus und gibt der künftigen Metaphysik eine feste Grundlage. Dies tut die Kritik der reinen Vernunft, die als neues, einzigartiges, abstraktes und schulgerechtes Werk schwerverständlich sein muss. Die Prolegomena stellen seinen Plan verständlicher dar und bieten eine Übersicht.
Vorerinnerung von dem Eigentümlichen aller metaphysischen Erkenntnis18 S.Die Quelle der Metaphysik (wie der Mathematik) ist nicht die Erfahrung. Nach der Erkenntnisart lassen sich die Urteile [=Aussagen] in analytisch (erläuternd, sich allein aus dem Satz des Widerspruchs ergebend), und synthetisch (erweiternd) einteilen. Während alle analytischen Urteile a priori sind, gibt es synthetische Urteile a priori (darunter die der Mathematik und der Metaphysik) und a posteriori (darunter alle Erfahrungsurteile). Die Frage nach der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori wurde bisher übersehen, bei Hume für unlösbar gehalten. Von ihrer Antwort hängt aber die Existenz jeder künftigen Metaphysik ab. Diese Frage wird ausgehend von Erkenntnissen a priori der reinen Mathematik und Naturwissenschaft aufgelöst.
Der transzendentalen Hauptfrage Erster Teil. Wie ist reine Mathematik möglich?17 S.Worauf gründet die Mathematik? Da sie Begriffe in concreto anschaut, aber Erkenntnisse a priori gewinnt, muss es eine Anschauung a priori geben, auf der sie gründet. Nur so kann man ohne Erfahrung die Begriffe durch Prädikate mit apodiktischer Gewissheit erweitern. Andererseits kann die Anschauung a priori nur auf der Form unserer Sinnlichkeit gründen: auf Zeit und Raum. Jegliche sinnliche Erfahrungen bringen Erscheinungen hervor, die in Raum und Zeit sind. Daher gelten die Aussagen der Mathematik genau und unbedingt für jedwede empirische Gegenstände. Nur unser Ansatz, der kein Idealismus ist, kann eine solche Begründung der Mathematik liefern und einige Paradoxa auflösen.
Der transzendentalen Hauptfrage Zweiter Teil. Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?38 S.Aus einem Wahrnehmungsurteil (empirischem Urteil, bei dem Wahrnehmungen in einem Bewusstsein vereinigt werden) entsteht ein Erfahrungsurteil, wenn die Vorstellungen unter einem allgemeingültigen Verstandesbegriff subsumiert werden. Dies erklärt, warum es möglich ist, die Grundsätze der reinen Naturwissenschaft a priori auszumachen, obwohl wir die Dinge an sich nicht erkennen und (wie Hume sagte) aus der bloßen Beobachtung keine notwendigen Erkenntnisse entstehen. Die Natur ist nämlich materiell die Gesamtheit der Gegenstände der Erfahrung und durch die Sinnlichkeit erkannt, formell aber die notwendige Gesetzmäßigkeit der Erfahrung und durch den Verstand erkannt. Durch die Untersuchung der Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung bestimmen wir die Natur.
Der transzendentalen Hauptfrage Dritter Teil. Wie ist Metaphysik überhaupt möglich?45 S.Die Möglichkeit der Metaphysik zeigt die Kritik, die den Grenzbereich der reinen Vernunft bestimmt. Die Begriffe des Verstandes sind die Kategorien, die der Vernunft die Ideen. Man kommt systematisch zur psychologischen, kosmologischen und theologischen Idee. Der dogmatische Gebrauch dieser Ideen führt zum Paralogismus, den Antinomien und dem Ideal der reinen Vernunft, einer Dialektik, die nur durch Kritik zu beheben ist. Die Ideen haben keinen spekulativen, sondern einen bloß praktischen (moralischen) Nutzen. Die Prinzipien der Vernunft geben dem Verstandesgebrauch systematische, regulative Einheit und bringen Vollständigkeit der Verstandeserkenntnisse. Der Zweck dieser reinen Ideen könnte daran liegen, Materialismus, Naturalismus und Fatalismus zu vermeiden.
Auflösung der allgemeinen Frage der Prolegomenen8 S.Da der Untergang der Metaphysik offensichtlich ist, der Mensch aber auf Metaphysik nicht verzichten kann, bietet sich diesen Prolegomena Gelegenheit zu einem neuen Ansatz. Die Kritik fordert von einer wissenschaftlichen Metaphysik, synthetische Sätze a priori zu beweisen. Die bisherige Metaphysik besteht nur aus analytischen Sätzen und hat deshalb seit Aristoteles keinen Fortschritt gemacht. Die neue Metaphysik kann sich weder auf Mutmaßung noch auf gesunden Menschverstand verlassen. Die Kritik zeigt nicht nur Möglichkeiten und Grenzen der spekulativen Vernunft, sondern erzielt auch das System von reinen Begriffen und Grundsätzen und enthält damit Plan und Mittel zur Vollendung der Metaphysik als moderner, abgeschlossener Wissenschaft.
Anhang von dem, was geschehen kann, um Metaphysik als Wissenschaft wirklich zu machen15 S.Die Göttinger Rezension ist ein Gegenbeispiel für eine Prüfung der Kritik. Der Rezensent, den ich herausfordere, über den Hauptpunkt der Untersuchung öffentlich zu diskutieren, hat nichts erfasst, ist böswillig, verwechselt mein Idealismus mit dem herkömmlichen und, was schlimmer ist, beurteilt das Werk aus der Schulmetaphysik heraus. Ich schlage vor, die Metaphysik vorläufig auszublenden, bis man ihren Maßstab herausgefunden hat, die Kritik von der Grundlage aus fortschreitend zu untersuchen und die Prolegomena als Übersicht zu benutzen. Eine Prüfung der Kritik ist nötig aber auch reizvoll und nützlich und wird dazu führen, die schädliche Schulmetaphysik durch eine anerkannte, gemeinnützige Wissenschaft zu ersetzen.
Textgrundlage: Immanuel Kant. Werke in sechs Bänden. Hg. Weischedel. WBG, Darmstadt, 1983. Bd. III, S. 109-264. Inhaltsangabe VZ100 ist unsere.

Textausgaben

Hier zitiert nach: Immanuel Kant, Schriften zur Metaphysik und Logik (= Immanuel Kants Werke, Bd. III), Hg. Wilhelm Weischedel, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 5. erneut überprüfter reprographischer Nachdruck 1983 der Ausgabe Darmstadt 1958. Sonderausgabe 1998. [Seitengleich mit der sogenannten Insel-Ausgabe.]

Eingeleitet und mit Anmerkungen herausgegeben von Konstantin Pollok.
(=Philosophische Bibliothek; Bd. 540) Felix Meiner Verlag, Hamburg, 2001. Enthält auch:

  • Göttinger Rezension zur Kritik der reinen Vernunft
  • Personen- und Sach-Register
  • Bibliographie zu den Prolegomena

Sorgfältige Ausgabe mit Hintergründen in Anmerkungen und einigen Neuerungen im Text, die die Lektüre erleichtern sollen.

Eingeleitet und herausgegeben von Karl Vorländer.
(=Philosophische Bibliothek; Bd. 40), 7., durchges. Aufl., Felix Meiner Verlag, Hamburg, 1993. Enthält auch:

  • Göttinger Rezension zur Kritik der reinen Vernunft
  • Brief des Rezensenten an Kant. Kants Antwort
  • 4-seitige Vorarbeit Kants zu den Prolegomena
  • Personen- und Sach-Register

Grundbegriffe: Erkenntnisarten

Erkenntnisse Nach Quelle der Begriffe Nach Inhalt der Aussage Nach Art der Gewissheit
Art empirischrein analytischsynthetisch a prioria posteriori
Definition aus Erfahrungaus dem Verstand erläuternderweiternd aus Vernunftgründengründet auf Erfahrung
Kriterium Ursprung? Prädikat im Subjekt einbegriffen? Art der Begründung?
Beispiele a priori a posteriori
analytischsynthetisch analytischsynthetisch
empirisch Gold ist gelbeinige Körper sind schwer xdie Luft ist elastisch, das Zimmer ist warm, der Zucker ist süß, der Wermut ist widerlich
rein a=a7+5=12, der Raum hat 3 Dimensionen xx
Aufgabe: Art der Erkenntnis ermitteln Sei eine beliebige Erkenntnis gegeben
Wie kann man Gewissheit über sie erlangen? Vernunftgründen reichen aus ⇒ a priori Man muss die Wirklichkeit abfragen ⇒ a posteriori
Ergibt sich die Gewissheit allein aus dem Satz des Widerspruchs? Ja ⇒ analytisch Nein ⇒ synthetisch (Nein ⇒ synthetisch)
Stammen ihre Begriffe aus der Erfahrung? Ja ⇒ empirisch Nein ⇒ rein Ja ⇒ empirisch Nein ⇒ rein (Ja ⇒ empirisch)
Lösung: Art der Erkenntnis empirische analytische Erkenntnis (a priori) reine analytische Erkenntnis (a priori) empirische synthetische Erkenntnis a priori reine synthetische Erkenntnis (a priori) (empirische synthetische) Erkenntnis a posteriori

Grundbegriffe: Menschliches Vermögen

Vermögen
Sinnlichkeit Verstand Vernunft
Fähigkeit anzuschauen Vorstellungen zu verknüpfen Verstandeserkenntnisse zur Vollständigkeit zu bringen
Erkenntnisse a priori reine Anschauung reine Verstandesbegriffe = Kategorien reine Vernunftbegriffe = Ideen
Wissenschaft a priori reine Mathematik reine Naturwissenschaft Metaphysik
reine Physik reine Psychologie
Gebrauch des Denkvermögens
immanent transzendental transzendent
Gegenstand Erfahrung Möglichkeit der Erfahrung Über die Erfahrung hinaus
Aussage über Erscheinungen Verhältnis zwischen Denkvermögen und Erscheinungen oder Noumena Noumena
Ergebnis Wahrheit Schein

Sinnlichkeit: Anschauung

Anschauung: durch die Gegenwart eines Gegenstandes hervorgebrachte sinnliche Vorstellung.

Form der Sinnlichkeit Materie (Inhalt) der Anschauung
ein Gegenstand kein Gegenstand
äußere Sinnlichkeit Raum Anschauung eines Gegenstands im Raum reine Anschauung des Raums
innere und äußere Sinnlichkeit Zeit Anschauung eines Gegenstands in der Zeit reine Anschauung der Zeit

Verstand: Tafel der Urteile, Verstandesbegriffe und Naturgrundsätze

Logische Tafel Transzendentale Tafel Reine physiologische Tafel Name Zugrunde liegender Begriff
der Urteile der Verstandesbegriffe allgemeiner Grundsätze der Naturwissenschaft
1. Der Quantität nach Allgemeine
Besondere
Einzelne
Allheit (das Ganze)
Vielheit (die Größe)
Einheit (das Maß)
Axiomen der Anschauung Prinzip der Anwendung der Mathematik auf Erfahrung Größe
2. Der Qualität nach Bejahende
Verneinende
Unendliche
Realität
Negation
Einschränkung
Antizipationen der Wahrnehmung Zweite Anwendung der Mathematik auf Naturwissenschaft Grad
3. Der Relation nach Kategorische
Hypothetische
Disjunktive
Substanz
Ursache
Gemeinschaft
Analogien der Erfahrung Dynamische Naturgesetze Dasein
Zeitfolge
Zugleichsein
4. Der Modalität nach Problematische
Assertorische
Apodiktische
Möglichkeit
Dasein
Notwendigkeit
Postulate des empirischen Denkens überhaupt Physiologische Methodenlehre Übereinstimmung
Zusammenhang
Vereinigung

Vernunft: Transzendentale Ideen

Transzendentale Idee Bei dogmatischem Gebrauch
Name Beschreibung Dialektik der reinen Vernunft Irrtum
Vernunftschluss kategorisch psychologische Idee Idee des vollständigen Subjekts Paralogismus der reinen Vernunft Das Ich als wesenhaftes Subjekt aufzufassen
hypothetisch kosmologische Idee Idee der vollständigen Reihe der Bedingungen Antinomien der reinen Vernunft Entzweiung der Vernunft in widersprüchlichen Sätze-Paare
disjunktiv theologische Idee Idee der vollständigen Gesamtheit des Möglichen Ideal der reinen Vernunft Scheinbarer Gottesbeweis

Vernunft: Tafel der Antinomien der reinen Vernunft

Aus § 51 bis § 53

Name Satz Gegensatz Bewertung Begründung
1. mathematische Antinomien Die Welt hat der Zeit und dem Raum nach einen Anfang (Grenze) Die Welt ist der Zeit und dem Raum nach unendlich Satz und Gegensatz sind falsch Beide beruhen auf dem Begriff einer außerhalb jeder möglichen Erfahrung existierenden Sinnenwelt. Da der Begriff selbst widersprüchlich ist, sind die Folgen falsch.
2. Alles in der Welt besteht aus dem Einfachen Es ist nichts Einfaches, sondern alles ist zusammengesetzt
3. dynamische Antinomien Es gibt in der Welt Ursachen durch Freiheit Es ist keine Freiheit, sondern alles ist Natur Satz und Gegensatz sind wahr Der Satz gilt für das Ding an sich, der Gegensatz gilt für die Erscheinung
4. In der Reihe der Weltursachen ist irgend ein notwendiges Wesen Es ist in ihr nichts notwendig, sondern in dieser Reihe ist alles zufällig

Zusammenfassung Gliederung (Teile) Gliederung (Teile, lang) Textausgaben
Grundbegriffe: Erkenntnisarten Menschliches Vermögen
Sinnlichkeit: Anschauung
Verstand: Tafel der Urteile, Verstandesbegriffe und Naturgrundsätze
Vernunft: Transzendentale Ideen Tafel der Antinomien

Zurück zur Schriften-Übersicht: heraus


↑ oben

Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala