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Philosophisches Lesen > Kant

Immanuel Kant (1724-1804)

Über den Hang zur Schwärmerei und die Mittel dagegen (1790) heraus

1790 (66) Brief. Buch über Cagliostro. 3 S.
Originaltitel: [Ludwig Ernst Borowski] Cagliostro, einer der merkwürdigsten Abentheurer unsres Jahrhunderts. Seine Geschichte, nebst Raisonnement über ihn und den schwärmerischen Unfug unserer Zeit überhaupt. [Zierstück] Königsberg, 1790. Bey Gottlieb Lebrecht Hartung.
[S. 160-164: Ueber den Hang zur Schwärmerei und die Mittel dagegen]
Katalog-Nr. Adickes: 0069 / Warda: 122
Akademie-Ausgabe Bd. XI: 141,01 - 143,05 Im Bonner-Korpus (Korpora.org) lesen
Kategorie: Sonstiges und Vorlesungen
Quelle: Immanuel Kant Information Online

Inhalt

Angeber reden über unbekannte Dinge.

Brief an Ludwig Ernst Borowski. Datiert „zwischen d. 6. u. 22. März 1790”.

Borowski bat Kant um ein Raisonnement für sein Buch Cagliostro, einer der merkwürdigsten Abentheurer unsres Jahrhunderts.

Anfang:

Sie fragen mich, wo der Hang zu der jetzt so überhandnehmenden Schwärmerei herkommen möge, und wie diesem Uebel abgeholfen werden könne? [1#1.1]

Die Ursache: Der „wohlhabendere, mit unter der vornehmere Stand“ beansprucht, durch die Lektüre von Auszügen und Registern so viel Einsicht wie der gründliche Lernende zu erlangen. Um diesen Schein zu erwecken, spricht er über kaum bekannte Dinge, wovon der gründlichste Naturforscher so wenig versteht wie er selbst. Z. B. Erklärung eines Traums, einer astrologischen Vorsehung, der Verwandlung von Blei in Gold.

Die Mittel dagegen: In den Schulen, das Vielerleilernen durch Gründlichlernen des Wenigeren zu ersetzen. Das Lesen bewusster werden lassen, um das Gewinnbringende erkennen zu können. Diese Schwärmerei sollte man einfach ignorieren — und die gründliche Erforschung der Natur selbst fortsetzen.

Weitläuftige Widerlegung ist hier wider die Würde der Vernunft und richtet auch nichts aus: verachtendes Stillschweigen ist einer solchen Art von Wahnsinn besser angemessen: wie denn auch dergleichen Eräugnisse in der moralischen Welt nur eine kurze Zeit dauren, um andern Thorheiten Plaz zu machen. [1#5.2]

Über Franzosen und Deutschen:

Ein deutscher Arzt (Hr. Grimm) hält sich in seinen Bemerkungen eines Reisenden etc. über die französische Allwissenheit, wie er sie nennt, auf; aber diese ist lange nicht so geschmacklos, als wenn sie sich bei einem Deutschen eräugnet, der gemeiniglich daraus ein schwerfällig System macht, von dem er nachher nicht leicht abzubringen ist, indessen daß eine Mesmeriade in Frankreich einmal eine Modesache ist und bald darauf gänzlich verschwindet. [1#3.2]

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Diese Rubrik 9. 4. 2009 bearbeitet
© Francesc Hervada-Sala